AKTUELLES

 

 

 

Stammtisch des Historischen Vereins

Unser Verein möchte die Möglichkeit seiner Mitglieder, sich zu treffen und auszutauschen, verbessern. Gleichzeitig möchte er sich und seine Arbeit bekannt machen und damit das Interesse neuer Mitglieder wecken. Zu diesen Zwecken wird ein Stammtisch für alte und neue Mitglieder oder Interessenten eingerichtet, bei dem Informationen über die Vereinstätigkeit kommuniziert werden und ein Austausch über die Themen und Projekte des Vereins stattfinden soll - oder beim dem die Teilnehmer einfach nur einen geselligen Abend verbringen können.

Er soll bis auf weiteres an jedem dritten Dienstag des Monats um 19:30 Uhr in der Ratsschänke Böcker-Menke in Nottuln (Kirchstraße 2) stattfinden.

Alle Vereinsmitglieder und Interessenten sind herzlich willkommen!

 

      ACHTUNG! Das nächste Treffen findet ausnahmsweise am Montag, den 24. Juni statt!!

 

Werkstatt "Historische Tänze"

Einige Mitglieder unseres Vereins bilden einen Tanzkreis, der sich in der Regel an jedem ersten Dienstag eines Monats trifft. Unter der Leitung eines versierten Musikpädagogen werden historische Tänze, vorwiegend des Barock und Rokoko, von sog. Kontratänzen bis zu Menuetten, eingeübt und zu passender Gelegenheit (zuletzt der Daruper Landpartie 2016) auch aufgeführt.  Die Treffen finden statt im Musikraum der Liebfrauenschule, Burgstraße 47 in Nottuln. Alle, die Interesse haben und mitmachen wollen oder sich auch nur informieren oder zuschauen möchten, sind herzlich eingeladen

 

ACHTUNG!  Die Treffen des Tanzkreises sind zurzeit ausgesetzt. Über die Wiederaufnahme werden wir an dieser Stelle informieren.

 

Erfolgreiches Historisches Fest am 4. und 5. Mai

Das erfolgreiche, im Jahr 2013 erstmalig veranstaltete Historische Fest (siehe unter "Rückblick") hat eine ebenfalls erfolgreiche Wiederholung erfahren. Diese war zuerst für 2017 geplant, musste aber wegen der für das Jahr angekündigten umfangreichen Umbauarbeiten rund um den Stiftsplatz zuerst auf 2018 verschoben werden und fand nun als Abschluss der  Festwoche aus Anlass der 35-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Nottuln und St. Amand- Montrond am 4. und 5. Mai, statt.. Der Schwerpunkt des Festes lag auf einem Historischen Markt (mit mehr als 60 Ausstellern, Künstlern, Handwerkern etc.). Aber auch musikalische "Highlights" wurden geboten, u.a. ein Konzert des bekannten "Hoene-Duos" unter dem Motto "Bach meets Jazz" (am Samstagnachmittag) sowie ein besonders hochklassiges Konzert mit einer der besten deutschen Barock-Flötistinnen (wenn nicht der besten), Gudula Rosa, am Sonntagnachmittag, die von der Cembalistin Ada Tanir begleitet wurde.

Mitglieder des Vereins und Gäste vor Beginn des Konzertes von Gudula Rose und Ada Tanir am Sonntagnachmittag (Foto: Philipp Gabbert)

Hier einige der Aktiven, die zu sehen und hören waren:

"DER ZIEGENSCHMIED"

Eine alte Handwerkskunst, die viele ältere Besucher vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen, die Jüngeren aber wahrscheinlich noch nie „live“ gesehen haben, ist das Schmieden. Dazu baute der „Ziegenschmied“ sein Zelt und seine Esse auf, an der er vor den Augen der Zuschauer kleine Gegenstände aus rohem Eisen fertigte, die man erwerben konnte. Es handelte sich um eine Mitmachschmiede für Kinder und Erwachsene. Kinder konnten mit dem Schmied ein kleines Glückshufeisen schmieden, mit dem es eine ganz besondere Bewandtnis hat - denn Schmiede und Kinder können gemeinsam wundersame Dinge bewirken. Von diesen Wunderdingen erzählte der Schmied danach jedem Kind, das ein Hufeisen geschmiedet hat. Erwachsene konnten auf dem Amboss z.B. einen Essdorn oder andere Werkstücke mit dem Schmied fertigen. Traditionell hatte er hat auch Ziegen mitgebracht, die allerdings keine Hufeisen angepasst bekamen…


GUDULA ROSA  und ADA TANIR

Freunde der Musik des Barock, also des Zeitraumes etwa des 18. Jahrhunderts, dem sich der Historische Verein hauptsächlich widmet, konnten am Sonntag um 15:00 Uhr in St. Martinus einem Konzert der international bekannten Flötistin Gudula Rosa beiwohnen, die von der Cembalistin Ada Tanir begleitet wurde. Gemeinsam spielten sie das Programm „Mixed Baroque“, das u.a. Werke von Arcangelo Corelli (1653-1713), Georg Friedrich Händel (1685-1759) sowie Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Johann Sebastian Bach (1685-1750) umfasste. Gudula Rosa, die u.a. in Japan, China, Ecuador, Brasilien, USA und in vielen europäischen Länder konzertierte, wird von der Presse als „Meisterin ihres Faches“ und ihr Flötenspiel als „charismatisch und hochvirtuos“ hoch gelobt. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit ist Gudula Rosa auch eine sehr erfolgreiche Pädagogin und lehrt an der Musikhochschule Münster und ist Projektleiterin der „Jugendakademie für musikalisch Hochbegabte“ von Musikhochschule und Westfälischer Schule für Musik Münster. Ihre Schülerinnen, Schüler und Studierende gewannen zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Auch Ada Tanir wird als Kammermusikerin und auch Musikpädagogin geschätzt. Sie ist zurzeit Mitglied des Ensembles „l’arte del mondo“. Mit diesem und mit eigenen Ensembles gastierte sie in Westeuropa, in der Türkei, Israel und Südamerika. Sie unterrichtet Cembalo, Generalbass und Klavier, u.a. an der Barockakademie der Musikschule Dortmund. Die Besucher konnten sich also auf ein für Nottuln außergewöhnliches Musikerlebnis freuen und wurden nicht enttäuscht! Dass für Musik auf diesem Niveau nicht einmal Eintritt verlangt wurde, dürfte einmalig sein.

Nach dem fantastischen Konzert: die Künstlerinnen und der für den musikalischen Teil des Feste verantwortliche Hans Gabbert (Foto: Friedhelm Becker)


"DER STIFTEMACHER" Thomas W. Dieker aus Dülmen:.

 Die Schreibgeräte dieses Kunsthandwerkers werden aus über zwanzig Edelholzarten an der Drehbank handgedrechselt; jedes Exemplar wird so ein einzigartiges Stück, da die natürliche Farbe und Maserung der Hölzer und die Unregelmäßigkeit der Handarbeit keine Gleichheit zulassen. Für die Herstellung der Stifte, die als Mechanik-Modelle, Dreh- und Druck- Kugelschreibern, Füllfederhaltern, Tintenrollern und Druckbleistiften erhältlich sind, werden nämlich Edelhölzer verwendet, die sich in maschineller Serienherstellung nur schlecht verarbeiten lassen; dazu sind sie in Härte und Maserverlauf zu unterschiedlich. Die durch genau diese Eigenschaften entstehende besondere Individualität und Schönheit lässt sich nur durch den viel sensibleren Umgang mit dem Holz in der Handarbeit erreichen. So entstehen Schreibgeräte von eleganter Schlichtheit bis hin zu höchst aufwendiger Exklusivität.


HELGA HÖFER

Das Musikprogramm des Festes wurde unter anderem gestaltet durch eine bekannte Nottulner Größe: die Flötistin Helga Höfer. Wie wenige Künstler hat die bereits über 80 -Jährige die örtliche, aber auch überörtliche, Musikszene bereichert. 45 Jahre lang hat sie als Musiklehrerin unterrichtet und zugleich das künstlerische Schaffen ihres Mannes, Prof. Harry Höfer, unterstützt. Sie hat die auch die „Corona Musica“ gegründet, mit der sie bereits ein Konzert anlässlich des ersten Historischen Festes 2013 gegeben sowie neben anderen Künstlern den Abschlussball untermalt hat; in vielen anderen Ensembles hat sie mitgewirkt, hat zahlreiche Konzerte in der Region organisiert und selbst gestaltet. Unter anderem ist sie Mitglied des Flötenensembles „Capella Figuralis“, einem Sextett unter der Leitung von Renate Breilmann aus Münster, das durch die Sängerin Susan Rohdenburg ergänzt wird. Dieses trat am Sonntag, den 5. Mai um 17:00 Uhr in der Alten Amtmannei auf und zwar mit Liedern der Renaissance, die nicht so häufig aufgeführt werden wie die Musik des danach folgenden Barocks, zum Beispiel von Michael Praetorius, Orlando di Lasso oder John Dowland. Neben der bekannten Blockflöte waren auch die besonders seltenen, aber sehr klangintensiven Gemshörner sowie das Kortholt und die Cornamuse zu hören.

Der Einzug der Ballgäste am Abend des Hist. Festes 2013 unter musikalischer Begleitung der "Corona Musica"


 "DER BUCHBINDER"

 Auch geht es um die alte Kunst des Buchbindens. Nachweislich seit 35000 Jahren haben die Menschen versucht, ihre Eindrücke und Gedanken aufzuzeichnen. „Bis zum Buch als Medium war es aber noch sehr weit“, so Peter-Diethelm Büscher aus Zülpich, der „Buchbinder“.

 

Als darstellender Kunsthandwerker ist Büscher seit gut 15 Jahren mit seiner historischen Wanderwerkstatt unterwegs und hat schon fast ganz Europa bereist. Dabei übt er dieses Handwerk vor den Augen des Publikums auf alte Art aus, wobei er mit historischen Geräten wie dem Beschneidehobel arbeitet und zum Beispiel Bücher restauriert. Begleitet wird diese Vorführung mit einer Ausstellung der Geschichte des Buches und des Schreibens, in der z.B. Gänsekiel, Wachs- und Schiefertafel sowie historische Tinten und Papiere zu sehen sein werden. Sie erläutert die Geschichten des Buches, zeigt altes Papyrus, erzähle die Geschichte von Pergamon, und führt Erwachsenen und Kindern vor, wie ein einfaches Kopert (eine Art schützender Einband für ein Schriftstück, das meist aus Leder besteht, Neudeutsch: „Cover“) zu fertigen ist.


DIE JAGDHORNBLÄSERGRUPPEN BAUMBERG-STEVERN und "HINTER DER MEUTE WESTFALEN"

 Den Markt mit seinen Handwerkern und Händlern wurde auch von Wandelgestalten in ihren historischen Gewändern und Uniformen aus der Zeit zwischen 1750 und 1850 belebt. Aber nicht nur sie allein: es traten auch Musiker auf, die nicht nur in Räumen spielen, sondern auch unter freiem Himmel. Dazu gehörte die heimische „Jagdhornbläsergruppe Baumberg-Stevern“, die sich am Samstag von 13 bis 15 Uhr auf den Straßen und Plätzen, auf denen das Fest stattfand, bewegte, um mit ihren Jagdhörnern die Atmosphäre des Festes akustisch zu bereichern.

Am Sonntag wurden die Steveraner abgelöst von Mitgliedern des Ensembles „Hinter der Meute Westfalen“ aus Lüdinghausen, die sich von 12 bis 14 Uhr in historischen Jagdgewändern und mit Instrumenten alter Bauart unter die Teilnehmer und Festbesucher mischten. In der Gruppe oder einzeln im Zuspiel untereinander ließen sie Melodien und Signale erklingen, die schon zur Barockzeit charakteristisch für die sog. Parforcejagd waren. Diese Form einer Hetzjagd mit Hunden, die von berittenen Jägern begleitet werden, war damals dem Adel vorbehalten und galt als gesellschaftliches Ereignis, wie es Jagden vielfach ja auch heute noch sind. Die aufwändige Parforcejagd wird hierzulande gar nicht mehr und überhaupt nur noch in wenigen anderen Ländern ausgeübt, darunter Frankreich und die USA.


 “DER BRILLENMACHER“ (Hermann Dahmen aus Bad Soden),

dem man auf dem Rasenplatz hinter St. Martinus begegnen konnte. Er ist Spezialist für die Anfertigung von Brillen nach historischen Mustern und in historischer Machart, wobei sein zeitliches Spektrum vom Mittelalter bis in die Neuzeit reicht. Für das Historische Fest hat er sich nach Gewandung und Fertigungsart authentisch dem Barock angepasst und mit den der Zeit angemessenen Mitteln individuell nach den Wünschen der Kunden Brillen gefertigt, jeweils Unikate und durchaus als Kunstwerke zu bezeichnen. Der künstlerische Werdegang begann nach der Ausbildung und einigen Berufsjahren als Optiker. Das Bedürfnis, eigene Ideen kreativ umzusetzen, wurde irgendwann immer größer. Ab 2005 gab er dem nach und verband dabei seine historischen Neigungen mit seinem Fachwissen, künstlerischem Können und der Lust am Formgeben und Kreieren; seitdem stellt er überwiegend historische Brillen und Utensilien her. „Brillen in unserem Sinne gibt es seit dem späten 13. Jahrhundert; sie wurden zuerst in Italien gefertigt“, so Dahmen. Die Wahl der Entwürfe und Materialien wie Holz, Bein und Horn entspringen dem alten Handwerk der Manufakturen der jeweiligen Zeit.


DAS HOENE-DUO

Bei den Musikern war das unangefochtene „Highlight“ des Samstages der Auftritt des (den meisten Nottulnern natürlich bekannten) „Hoene-Duos“, das um 14:45 Uhr im Festzelt mit ihrem Programm „Bach meets Jazz“ began. Das Duo wird in der Presse hoch gelobt („Sternstunde für musikalische Feinschmecker“, „grandios interpretierter Akustik-Gitarren-Cocktail, der an Virtuosität nicht mehr zu überbieten ist“, „rasante, punktgenau synchrone Läufe, blitzschnelle Tonarten- und Rhythmuswechsel - die schwindelerregende Spieltechnik dieses Ausnahmeduos kennzeichnete die Darbietungen des Konzertabends“ und so fort). Am 4. Mai schlugen Michael und Thomas Hoene in ihrem speziell für diesen Auftritt zusammengestellten Programm eine Brücke zwischen den recht strengen Musikformen des Barock und den von teilweise sehr freier, bis zur spontanen Improvisation reichender Interpretationsformen des Jazz, die in den regulären Konzerten des Duos den Schwerpunkt bilden. Der Bogen spannte sich dabei von Bach über Carulli bis zu Mc Laughlin und Gismonti. Sie „ba-rocken“ Nottuln sozusagen und begeisterten dabei die Zuschauer - darunter fast alle französischen Gäste der Festwoche zur Städtepartnerschaft-, die das Festzelt auf dem Stiftsplatz gefüllt hatten!

Arrangiert wurde der Auftritt vom Historischen Verein. Bei der Auswahl der Musiker war es wichtig, dass auch und gerade ortsansässige Künstler berücksichtigt wurden. Das ist mit Helga Höfer, der Jagdhornbläsergruppe Baumberg-Stevern und dem Hoene-Duo auch gelungen. Denn die beiden studierten Musiker, die zudem erfolgreich als Musikpädagogen tätig sind, entstammen einer alten Nottulner Familie, deren Mitglieder auch noch den regional typischen Beruf der Steinbildhauer ausübten! So haben die Vorfahren z.B. die Engelsstatue an der heutigen Ecke B525 / Dülmener Straße oder die Pieta in der Friedenskapelle von St. Martinus geschaffen. Mehr Verbindung zu Ort und Region geht nicht, und es ist schon bemerkenswert, dass Musiker von internationalem Niveau tatsächlich unserem Stiftsdorf entstammen. Man muss nicht in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.