Historisches Fest am 4. und 5. Mai 2019

Das erfolgreiche, im Jahr 2013 erstmalig veranstaltete Historische Fest (siehe unter "Rückblick") hat eine ebenfalls erfolgreiche Wiederholung erfahren. Diese war zuerst für 2017 geplant, musste aber wegen der für das Jahr angekündigten umfangreichen Umbauarbeiten rund um den Stiftsplatz zuerst auf 2018 verschoben werden und fand nun als Abschluss der  Festwoche aus Anlass der 35-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Nottuln und St. Amand- Montrond am 4. und 5. Mai, statt.. Der Schwerpunkt des Festes lag auf einem Historischen Markt (mit mehr als 60 Ausstellern, Künstlern, Handwerkern etc.). Aber auch musikalische "Highlights" wurden geboten, u.a. ein Konzert des bekannten "Hoene-Duos" unter dem Motto "Bach meets Jazz" (am Samstagnachmittag) sowie ein besonders hochklassiges Konzert mit einer der besten deutschen Barock-Flötistinnen (wenn nicht der besten), Gudula Rosa, am Sonntagnachmittag, die von der Cembalistin Ada Tanir begleitet wurde.

Mitglieder des Vereins und Gäste vor Beginn des Konzertes von Gudula Rose und Ada Tanir am Sonntagnachmittag (Foto: Philipp Gabbert)

Hier einige der Aktiven, die zu sehen und hören waren:

DER ZIEGENSCHMIED

Eine alte Handwerkskunst, die viele ältere Besucher vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen, die Jüngeren aber wahrscheinlich noch nie „live“ gesehen haben, ist das Schmieden. Dazu baute der „Ziegenschmied“ sein Zelt und seine Esse auf, an der er vor den Augen der Zuschauer kleine Gegenstände aus rohem Eisen fertigte, die man erwerben konnte. Es handelte sich um eine Mitmachschmiede für Kinder und Erwachsene. Kinder konnten mit dem Schmied ein kleines Glückshufeisen schmieden, mit dem es eine ganz besondere Bewandtnis hat - denn Schmiede und Kinder können gemeinsam wundersame Dinge bewirken. Von diesen Wunderdingen erzählte der Schmied danach jedem Kind, das ein Hufeisen geschmiedet hat. Erwachsene konnten auf dem Amboss z.B. einen Essdorn oder andere Werkstücke mit dem Schmied fertigen. Traditionell hatte er hat auch Ziegen mitgebracht, die allerdings keine Hufeisen angepasst bekamen…


GUDULA ROSA  und ADA TANIR

Freunde der Musik des Barock, also des Zeitraumes etwa des 18. Jahrhunderts, dem sich der Historische Verein hauptsächlich widmet, konnten am Sonntag um 15:00 Uhr in St. Martinus einem Konzert der international bekannten Flötistin Gudula Rosa beiwohnen, die von der Cembalistin Ada Tanir begleitet wurde. Gemeinsam spielten sie das Programm „Mixed Baroque“, das u.a. Werke von Arcangelo Corelli (1653-1713), Georg Friedrich Händel (1685-1759) sowie Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Johann Sebastian Bach (1685-1750) umfasste. Gudula Rosa, die u.a. in Japan, China, Ecuador, Brasilien, USA und in vielen europäischen Länder konzertierte, wird von der Presse als „Meisterin ihres Faches“ und ihr Flötenspiel als „charismatisch und hochvirtuos“ hoch gelobt. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit ist Gudula Rosa auch eine sehr erfolgreiche Pädagogin und lehrt an der Musikhochschule Münster und ist Projektleiterin der „Jugendakademie für musikalisch Hochbegabte“ von Musikhochschule und Westfälischer Schule für Musik Münster. Ihre Schülerinnen, Schüler und Studierende gewannen zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Auch Ada Tanir wird als Kammermusikerin und auch Musikpädagogin geschätzt. Sie ist zurzeit Mitglied des Ensembles „l’arte del mondo“. Mit diesem und mit eigenen Ensembles gastierte sie in Westeuropa, in der Türkei, Israel und Südamerika. Sie unterrichtet Cembalo, Generalbass und Klavier, u. a. an der Barockakademie der Musikschule Dortmund. Die Besucher konnten sich also auf ein für Nottuln außergewöhnliches Musikerlebnis freuen und wurden nicht enttäuscht! Dass für Musik auf diesem Niveau nicht einmal Eintritt verlangt wurde, dürfte einmalig sein.

Nach dem fantastischen Konzert: die Künstlerinnen und der für den musikalischen Teil des Festes verantwortliche Hans Gabbert (Foto: Friedhelm Becker) 



"DER STIFTEMACHER" Thomas W. Dieker aus Dülmen:

Die Schreibgeräte dieses Kunsthandwerkers werden aus über zwanzig Edelholzarten an der Drehbank handgedrechselt; jedes Exemplar wird so ein einzigartiges Stück, da die natürliche Farbe und Maserung der Hölzer und die Unregelmäßigkeit der Handarbeit keine Gleichheit zulassen. Für die Herstellung der Stifte, die als Mechanik-Modelle, Dreh- und Druck- Kugelschreibern, Füllfederhaltern, Tintenrollern und Druckbleistiften erhältlich sind, werden nämlich Edelhölzer verwendet, die sich in maschineller Serienherstellung nur schlecht verarbeiten lassen; dazu sind sie in Härte und Maserverlauf zu unterschiedlich. Die durch genau diese Eigenschaften entstehende besondere Individualität und Schönheit lässt sich nur durch den viel sensibleren Umgang mit dem Holz in der Handarbeit erreichen. So entstehen Schreibgeräte von eleganter Schlichtheit bis hin zu höchst aufwendiger Exklusivität.


HELGA HÖFER

Das Musikprogramm des Festes wurde unter anderem gestaltet durch eine bekannte Nottulner Größe: die Flötistin Helga Höfer. Wie wenige Künstler hat die bereits über 80 -Jährige die örtliche, aber auch überörtliche, Musikszene bereichert. 45 Jahre lang hat sie als Musiklehrerin unterrichtet und zugleich das künstlerische Schaffen ihres Mannes, Prof. Harry Höfer, unterstützt. Sie hat die auch die „Corona Musica“ gegründet, mit der sie bereits ein Konzert anlässlich des ersten Historischen Festes 2013 gegeben sowie neben anderen Künstlern den Abschlussball untermalt hat; in vielen anderen Ensembles hat sie mitgewirkt, hat zahlreiche Konzerte in der Region organisiert und selbst gestaltet. Unter anderem ist sie Mitglied des Flötenensembles „Capella Figuralis“, einem Sextett unter der Leitung von Renate Breilmann aus Münster, das durch die Sängerin Susan Rohdenburg ergänzt wird. Dieses trat am Sonntag, den 5. Mai um 17:00 Uhr in der Alten Amtmannei auf und zwar mit Liedern der Renaissance, die nicht so häufig aufgeführt werden wie die Musik des danach folgenden Barocks, zum Beispiel von Michael Praetorius, Orlando di Lasso oder John Dowland. Neben der bekannten Blockflöte waren auch die besonders seltenen, aber sehr klangintensiven Gemshörner sowie das Kortholt und die Cornamuse zu hören.

Der Einzug der Ballgäste am Abend des Hist. Festes 2013 unter musikalischer Begleitung der "Corona Musica"


DER BUCHBINDER

Auch geht es um die alte Kunst des Buchbindens. Nachweislich seit 35000 Jahren haben die Menschen versucht, ihre Eindrücke und Gedanken aufzuzeichnen. „Bis zum Buch als Medium war es aber noch sehr weit“, so Peter-Diethelm Büscher aus Zülpich, der „Buchbinder“.

 

 

Als darstellender Kunsthandwerker ist Büscher seit gut 15 Jahren mit seiner historischen Wanderwerkstatt unterwegs und hat schon fast ganz Europa bereist. Dabei übt er dieses Handwerk vor den Augen des Publikums auf alte Art aus, wobei er mit historischen Geräten wie dem Beschneidehobel arbeitet und zum Beispiel Bücher restauriert. Begleitet wird diese Vorführung mit einer Ausstellung der Geschichte des Buches und des Schreibens, in der z. B. Gänsekiel, Wachs- und Schiefertafel sowie historische Tinten und Papiere zu sehen sein werden. Sie erläutert die Geschichten des Buches, zeigt altes Papyrus, erzähle die Geschichte von Pergamon, und führt Erwachsenen und Kindern vor, wie ein einfaches Kopert (eine Art schützender Einband für ein Schriftstück, das meist aus Leder besteht, Neudeutsch: „Cover“) zu fertigen ist.